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Bio-Hacking und Longevity – zwei Begriffe, die mittlerweile gefühlt in jedem Social Media Beitrag vorkommen, und deren schon als inflationär zu bezeichnende Verwendung mehrere Probleme klar sichtbar machen.

Bio-Hacking

1. Falsche Prämisse:
Mit Bio-Hacking am Ziel vorbei.
 Wortwörtlich solle man mit spezifischen Gewohnheiten, Tricks und Tinkturen etc. sein biologisches System „hacken“. Nach dem Motto „hier ein bisschen schrauben, und dort ein wenig rumdoktern“.

Bereits hier zeigt sich:
Fehlendes Wissen und mangelndes Verständnis der grundlegenden physiologischen Vorgänge des Körpers führen zu einseitiger, oder gar ignoranter Betrachtungsweise. Es werden monokausale Ursachen angenommen, wenn tatsächlich multifaktorielle Einflussgrößen mit systemweit gestreuten und oft undurchschaubaren Effekten mit viel größerer Wirkung übersehen.

Im folgenden eine Übersicht der biochemischen Wege des menschlichen Stoffwechsels sowie der Prozesse auf zellulärer und molekularer Ebene.

Quelle: https://www.roche.com

Beide Bilder zeigen sehr deutlich, wie komplex der Sachverhalt tatsächlich ist, und warum „einfach mal ein bisschen hier und da zu hacken“ kaum zu den gewünschten Effekten führen wird.

Das wäre so, als versuchst du dich als homöopathischer Feuerwehrmann mit einer Pipette daran, tröpfchenweise einen Großbrand zu löschen. Davon abgesehen ist der menschliche Körper kein Computer, der mit bestimmter Software läuft, die sich einfach mal so hacken lässt.

2. Falscher Fokus:
Eins vorweg – in bin ein großer Fan von gesunden Gewohnheiten. Jedoch wird beim Bio-Hacking der Fokus prinzipiell auf die falschen Dinge gelegt. Was sich erst mal sexy anhört, ist jedoch in den allermeisten Fällen sehr viel Aufwand für wenig bis keinen Ertrag. Quasi ein umgekehrtes Pareto-Prinzip. Viel Fokus und Energie auf die letzten paar Prozent. Kurz: Zeitverschwendung.

Schauen wir mal auf die relevanten 80 Prozent, die das Fundament darstellen:

Esse ich genug Protein?
Decke ich konstant und regelmäßig meinen Bedarf an Protein, um meine Ziele zu erreichen? Oder vertraue ich irgendeinem Social Media Trend und konsumiere vermeintlich allheilendes asiatisches Superfood, Amazonas-Super-Wurzeln, afrikanisches Wunderpulver oder Blödsinn wie Bulletproof Kaffee? Solange Du es nicht hinbekommst regelmäßig Protein zuzuführen, brauchst Du weder DNA-Test für vermeintliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten noch (sinnvolle) Supplemente.

Schlafe ich ausreichend erholsam?
Gehst du früh genug ins Bett? Oder klebt dein Blick, auch nachdem das Licht aus ist, noch stundenlang auf deinem Smartphone. Wachst du jeden Morgen als Duracell-Hase auf, sprich du bist fit und voller Tatendrang? Oder gehörst du morgens eher zum Team Zombie, und ziehst dir am liebsten wieder die Decke über den Kopf?Schlaf-Tracker sollen deinen Schlaf tracken, nicht deine Schlaflosigkeit. Sie nützen dir also nur dann etwas, wenn du tatsächlich schläfst.

Bewege ich mich regelmäßig?
Nein, wir reden nicht davon, minutiös geplant mit den neuesten technischen Trendspielzeugen deine Herzfrequenz und Performance zu überwachen. Klar, Training ist Trumpf, weil es geplanten Fortschritt bedeutet. Das macht Sport, Kurse im Fitnessclub oder einfach nur Bewegung an der frischen Luft wie Joggen, Schwimmen und Radfahren nicht zu schlechteren Optionen. Ganz im Gegenteil. Vor allem, wenn du den Tag primär im Sitzen verbringst. Und jede Bewegung ist nun mal besser, als ständig mit deinem Allerwertesten auf dem Sofa zu hocken. Also, beweg dich.

Supplemente sind nur Ergänzungsmittel
Wenn deine grundlegende Diät (dein Lifestyle, also die Summe aus Schlaf, Ernährung, Sport, Stressmanagement und sozialen Kontakten) nicht passt, helfen Supplemente auch nicht. Im Gegenteil sollen sie die Basis lediglich ergänzen. Etwas ergänzen zu wollen, wo gravierende Mängel herrschen ist jedoch wie über eine schimmelnde Wand drüber zu malern und zu hoffen, dass das schon passen wird. Der Mangel wird, mit viel Glück, zumindest zeitweise, nur kaschiert.

Die richtige Prämisse und Fokus lauten also: Basics first. Nur dann, wenn die Basics sitzen, kannst du dir Gedanken um die letzten Prozent machen.

Longevity

1. Falsche Prämisse:
Der Begriff „Longevity“ stammt aus dem Englischen, und wird übersetzt mit „Langlebigkeit“. Seine Wurzeln hat der Begriff im Lateinischen, und ist ein Lehnwort aus den Begriffen: „longaevitas“: zusammengesetzt aus „longus“ (lang) und „aevum“ (Zeitalter oder Lebensspanne).

Der Begriff Langlebigkeit beschreibt also die Fähigkeit, ein hohes Alter zu erreichen. Damit ist in erster Linie die reine Lebensdauer eines Menschen gemeint. Anders ausgedrückt ist Langlebigkeit die Zeitspanne, die ein Lebewesen bei optimalen Bedingungen erreichen kann.

2. Falscher Fokus:
Zwei Grundlegende Fragen:
Was bedeutet Langlebigkeit, über die reine Übersetzung hinaus, im Detail?
Wie steht der Begriff im Kontext zu Gesundheit und Lebensstil?

Die moderne Verwendung des Begriffs geht weit über diese Definition hinaus. Heute steht „Longevity“ nicht nur für ein langes Leben, sondern für ein gesundes, vitales und erfülltes Leben – bis ins hohe Alter.

Folgende Aspekte sind demnach entscheidend:

  • Gesundheitsoptimierung: Maßnahmen zur Vermeidung von Krankheiten und Erhaltung der Lebensqualität.
  • Lebensstil: Gewohnheiten wie gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf, Bewegung und Stressmanagement, die zu einem vitaleren Leben beitragen.
  • Regeneration und Prävention: Strategien, die den Alterungsprozess verlangsamen und die Vitalität fördern.

Longevity ist mehr als Langlebigkeit

Klingt das Wort „Langlebigkeit“ im Deutschen häufig neutral oder fast schon klinisch steril, hat „Longevity“ eine deutlich positivere und aktivere Konnotation. Statt länger zu leben geht es darum, die Lebensqualität zu maximieren. Das Ziel ist es also, nicht einfach nur alt zu werden, sondern auch im hohen Alter gesund, aktiv und selbstbestimmt zu bleiben. Oder anders ausgedrückt die Gesundheitsspanne der Lebensspanne annähern.

Stell dir folgendes vor: Du wirst 85 Jahre alt. Du hast die Wahl… Möchtest du ab 65 für die nächsten 20 Jahre dahinsiechen? Oder doch lieber 84 Jahre lang fit sein, und erst im letzten Jahr dein Alter spüren? „Longevity“ ist somit als „Healthy Aging“ oder „Gesundes Altern“ zu verstehen.

Die 4 Säulen des gesunden Alterns

  • Schlaf
  • Bewegung und Krafttraining
  • Ernährung
  • Stressmanagement


Ich fasse nochmals zusammen

Bio-Hacking und Longevity sind sexy klingende Versprechen von Wunder-Tools, Superfoods oder einzigartigen Supplementen, doch sind sie vor allem eins – zu 99% Geld- und Zeitverschwendung.

Mein persönlicher Tipp zum Nachmachen

Bevor du sinnbefreiten Marketingbegriffen und schön verpackten Fitnesstrends hinterher jagst und deinen Alltag mit Fragwürdigem füllst, geh einfach öfter mal an die frische Luft. Lausche den Vögelchen und genieße bewusst einen frischgepflückten Apfel in der Natur. Das ist in unserer schnelllebigen Zeit oftmals schon Luxus pur und tut gut für Körper, Geist und Seele.

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