Neues Jahr, neues Glück. Und selbstverständlich wieder mit dabei: neue gute Vorsätze. Wobei „neu“ hier eher im philosophischen Sinn zu verstehen ist. Also neu gedacht, neu formuliert, neu ignoriert. Ganz wie in „Dinner for one“ (Dauerbrenner seit 1934)… „The same procedure as last year, Miss Sophie?“ – „The same procedure as every year, James.“ bleiben wir inhaltlich bei dem, was sich bewährt hat – nämlich bei exakt denselben Vorsätzen wie 2025, 2024, 2023 und all den tapferen Jahren davor. Denn seien wir ehrlich: Unsere Vorsätze sind keine kurzlebigen Trends. Sie sind Klassiker. Evergreens. Das kleine Schwarze unter den Selbstoptimierungsfantasien.
Ganz oben auf der Liste steht natürlich: mehr Sport.
Kein konkreter Sport, kein fixer Termin, keine definierte Intensität – einfach mehr. Mehr als letztes Jahr, jedenfalls theoretisch. Praktisch startet das Vorhaben traditionell mit einem hochmotivierten Januar, einem leicht verunsicherten Februar und einem sehr verständnisvollen März, in dem man sich sagt, dass Spazierengehen ja auch Bewegung ist. Spoiler: Das war 2025 genauso. Und 2024. Und davor.
Direkt danach folgt: „Gesünder essen“.
Ein Vorsatz von beeindruckender Flexibilität. Er passt sich jeder Lebenslage an: Salat unter der Woche, Pizza am Wochenende, Schokolade zur seelischen Stabilisierung. Neu ist dieses Jahr lediglich die Erkenntnis, dass „ab und zu“ ein dehnbarer Begriff ist. Aber auch das wussten wir eigentlich schon letztes Jahr.
Nicht fehlen darf der Vorsatz: „Weniger Stress zu haben…“.
Ein wunderschönes Ziel, das meist zwischen dem ersten E-Mail-Ping im Januar und dem zweiten Kaffee des Tages leise das Weite sucht.
Dennoch formulieren wir ihn Jahr für Jahr neu, wie ein Mantra. Vielleicht klappt es ja diesmal. Vielleicht aber auch erst 2027. Man muss realistisch bleiben.
Ebenfalls ein Dauerbrenner: „Mehr Zeit für mich selbst“.
Gemeint ist nicht die Zeit auf dem Sofa mit dem Handy in der Hand, sondern die idealisierte Version davon. Mit Buch. Oder Yoga. Oder zumindest ohne schlechtes Gewissen. Dass diese Zeit oft an denselben Orten verschwindet wie die Socken aus der Waschmaschine, hat uns bislang nicht davon abgehalten, sie erneut fest einzuplanen.
Und dann wäre da noch „weniger Bildschirmzeit“.
Ein Vorsatz, der meist auf einem Bildschirm notiert, geteilt oder geliked wird. Ironie gehört schließlich auch zur Selbstreflexion. Dass wir ihn trotzdem jedes Jahr wieder aufschreiben, zeigt vor allem eines: Hoffnung stirbt zuletzt – und hat WLAN.
Warum also überhaupt neue Vorsätze, wenn die alten sich so hartnäckig wiederholen?
Vielleicht, weil es weniger um die tatsächliche Umsetzung geht als um den Moment, in dem wir kurz innehalten und denken: „Eigentlich wäre das eine gute Idee.“ Dieser Gedanke allein ist schon ein kleiner Erfolg. Kein messbarer, kein postbarer – aber ein ehrlicher. Wenn das das Wörtchen eigentlich nicht wäre…
Gute Vorsätze sind kein Vertrag, sie sind eine freundliche Absichtserklärung an uns selbst.
Und wenn sie sich jedes Jahr gleichen, dann vielleicht deshalb, weil sie immer noch relevant sind. Oder weil wir sie mögen. Oder weil wir sie eines Tages wirklich umsetzen wollen – ganz bestimmt. Bald. Vielleicht nächsten Januar. In diesem Sinne: Auf ein neues Jahr mit altbewährten Vorsätzen. Bewährt darin, dass sie uns jedes Jahr aufs Neue begleiten. Und das ist ja auch schon irgendwie eine Form von Konstanz.